Montag, 23. April 2012

Fashion Days Nürnberg: Ein (nicht gelungener) Versuch von Mode



Meine Ex-Heimat Berlin gilt allgemeingültig als Deutschlands Mode-Metropole. Von allen Seiten strömen Fashion-hungrige Menschen durch die Straßen. Die Mitte-Hipster mischen sich mit der Charlottenburg-Bohème, Touristen aller Nationen bringen ihren ganz eigenen Stil ein in das bunte Gemisch der Hauptstadt. Marine, Boho, Ethno, Avantgarde: Die Mischung aus Buntem, Schwarzem, Lautem, Leisem, Aufgeregtem und Stillem ist es, was Berlin so einzigartig und damit zum Treffpunkt der Mode-Szene macht.

Meine richtige Heimat Nürnberg kann da leider nicht ganz mithalten. Keine Frage, ich liebe Nürnberg, weil ich meine Freunde und Familie hier habe und die schnuckeligen Gässchen, die süßen Häuser und die nicht-weit-entfernte Natur einen wunderbaren Kontrast zum oftmals stressigen Journalisten-Job darstellen.

Doch Mode und Nürnberg - das ist leider ein Paradoxon, ein Widerspruch in sich. Der Beweis dafür wurde mir am Samstag geliefert. Die "Fashion Days Nürnberg" sollten Mode-Zauber nach Franken bringen. Doch die Magie ist irgendwo auf dem Weg zwischen Kaninchen und Zylinder stecken geblieben.

In einem architektonisch ganz ansprechendem Industriegebäude sollten sie also statt finden, die Fashion Days. Eine schicke Rückwand mit allen Sponsoren stand für die Fotografen und Möchtegern-Starlets bereit, die weißen Räume wurden in schöne Farben getaucht, "Pop-Up-Stores" (in meinen Augen eher zum Flohmark-Stand umfunktionierte Schreibtische) umrundeten den Laufsteg, der von zwei blau angestrahlen Riesen-Mannequins "bewacht" wurde.


Um den in lack-schwarz gehaltenen Catwalk waren zwei Klappstuhl-Reihen positioniert, auf denen die vermeintliche Mode-Elite der fränkischen Metropole Platz nahm. Schön rausgeputzt, mit waffenschein-verdächtigen Highheels, spitzen Fingernägeln, mini-mini-Kleidern und richtig viel Lidschatten.

Die Models liefen leider nicht wie Models.
Die präsentierte Mode der Fashion Days Nürnberg hatte mit Mode an und für sich leider nicht viel zu tun. In meinen Augen war es eine tragbare Kleiderauswahl, die ohne viel Anspruch zusammengestellt wurde - ohne roten Faden, ohne erkennbare Inspirationsquelle, ohne Aha-Effekt.




Bei den Designer-Linien wurde es zwar etwas besser, jedoch fehlte mir das Flair, das Modenschauen normalerweise versprühen. Klar, es geht um Geld, um Profit, um Anerkennung. Doch auch um Träume, Illussionen, Inspriation. Das alles hatten die Fashion Days Nürnberg leider nicht zu bieten.

Und das man für den Abend auch noch 35 Euro für ein VIP Ticket (inkl. Goodiebag mit zwei Haarsprays und einem Welcome-Drink) zahlen muss, das macht den Beigeschmack der ganzen Mode-Veranstaltung natürlich noch mieser.

Mit dem letzten Präsentationsbild der Show wäre dann auch wirklich alles gesagt (na wer findet ihn, den Fehler)?


Fotos: © Kiki M.

Kommentare:

  1. Haha Safe the Date...

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  2. Komm wieder nach Berlin!

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  3. Die Berliner Fahion Week mit den Nürnberger Fashiondays zu vergleichen zeugt von wenig Hintergrund - Interesse und Wissen an einem Event, der zumindest versucht ein bisschen Glanz in die Fashionwelt zu zaubern.
    Soviel mir bewusst und bekannt ist, sind die Fashiondays nicht ausschliesslich Designer orientiert, sondern bieten zusätzlich den lokalen Retailern eine stylische Platform sich einem interessierten Publikum zu präsentieren.
    Hannes Roether auf einem Nürnberger Catwalk zu sehen...und nicht zu vergessen MARCEL OSTERTAG bei der ersten Ausgabe der Fashiondays dürfte wohl der Verfasserin des Bloggs komplett aus den Augenwinkeln entgangen sein.

    Ja, es gibt bestimmt noch Verbesserungen zu machen um dem Event noch mehr an Exclusivität zu verleihen.
    Jedoch erfreue ich mich über den Mut der Veranstalter endlich mal ein Mode-Event in unserer Region zu plazieren und Stimmen wie die einer sogenannten GESCHMACKSTRTÄGERIN in Zukunft verstummen zu lassen.

    Man wechsle den Wohnsitz nach Berlin und schwärme ... :-)

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  4. Ich bin ein (mehr oder weniger) Mode-begeisterter Hobbyfotograf und wohne in Nürnberg. Eine Freundin von mir läuft vom 27. bis zum 30. September bei den Fashion Days mit, sie ist aber auch kein richtiges Model, weshalb es mich gewundert hat, dass sie genommen wurde. Sie hat mir zwei Freikarten gegeben, weshalb ich da auch erscheinen werde.
    Dieser Post hat mir aber zu verstehen gegeben, warum sie genommen wurde, das ist ja wirklich bitter. :D

    Man darf aber nicht vergessen, dass Nürnberg eine - im Vergleich zu Berlin - winzige Stadt ist, in der sich nunmal kaum Leute befinden, die was mit Mode zu tun haben. Ich finde es gut, dass es wenigstens ein schlechtes Event gibt, schließlich kann es ja noch besser werden. Und vielleicht steht Nürnberg irgendwann auch nicht mehr so blöd in Sachen Mode da.

    Ps. Der Tippfehler ist aber echt witzig. Schade, dass die Fashion Days dadurch noch lächerlicher wirken.

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  5. ...der Veranstalter ist gleichzeitig der Herausgeber des neuen "City Looks Magazins". Das ist aus gestalterischer Hinsicht - hm wie sage ich es freundlich - "ausbaufähig".

    Ich bin morgen Abend bei den Fashion Days Nürnberg. Ich bin gespannt...

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  6. Autsch! Das wirkt auch von der ganzen Aufmachung eher wie eine Modenschau eines Ladens für Mit-40er inmitten eines Einkaufszentrums... Finde es ehrlich gesagt furchtbar, wenn man auf Teufel komm raus Glamour erzeugen möchte. Nürnberg ist zweifellos toll, aber es braucht ja nicht jeder auch gleich eine Modehauptstadt werden zu wollen. Und Nürnberg wird`s sicher nicht! Ganz sicher!

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