Montag, 22. November 2010

Was steckt eigentlich hinter Lanvin?

Image: H&M

Morgen geht der Run auf die H&M-Shops los: Dann ist die "Lanvin <3 H&M"-Kollektion endlich in den Läden. Ich habe in Blogs rauf und runter gelesen, was sich Designer Alber Elbaz für die Kooperation ausgedacht hat; habe Fotos, Videos und allerlei Kommentare dazu gesehen und gehört. Doch noch nie habe ich etwas darüber gelesen, wo die Marke Lanvin überhaupt herkam, wer sie ins Leben gerufen hat und was sie bedeutet.


Daher erfahrt ihr jetzt etwas über den Ursprung der Luxus-Marke und die Dame, die sie erschuf: Jeanne Lanvin (1867-1946).


Jeanne Lanvin wuchs in einfachen Verhältnissen auf, begann mit 16 eine Lehre zur Hutmacherin in Paris.
In ihrem Beruf ging sie vollends auf, eröffnete 1890 ein eigenes Hutgeschäft in der Pariser Modemeile Rue du Faubourg Saint-Honoré, rief 1898 rief die Marke Lanvin ins Leben.
Nach einer unglücklichen Ehe mit einem italienischen Grafen lies sich Jeanne Lanvin 1903 scheiden, opferte sich vollends für ihre einzige Tochter Marguerite (Marie-Blanche) auf.

Ihre Tochter ist es schließlich auch, die Lanvin zum Designen edler Kleider inspieriert. Zunächst entwirft Lanvin kindgerechte Mode für Marguerite - Miniaturausgaben der bestickten knöchellangen "Robes de Styles".

Weil ihre Kinderkleidung so detailverliebt und etwas besonderes war, fragten auch immer mehr Mütter nach Erwachsenkleidung.
1909 lancierte Jeanne Lanvin ihre erste Damenlinie, trat dem Chambre Syndicale de la Haute Couture bei, beschäftige Mode-Zeichner, musste ihr Atelier aufgrund der großen Nachfrage ständig erweitern.

Ihre Entwürfe zeigten stets Eleganz, wurden aus edlen Stoffen gefertigt, mit prächtigen Stickereien versehen. Ein herausstechendes Merkmal ihrer Roben: Farbe! Ganz im Gegensatz zu den Entwürfen Coco Chanels, die doch eher avangardischter waren, figurbetont und sehr klassisch.

1925 beschäftigte Lanvin knapp 800(!) Mitarbeiter, brachte jetzt auch ihr erstes Parfüm auf den Markt.

1926 schuf Jeanne Lanvin ihre erste Herrenkollektion, auch Heimtextilien standen auf ihrer kreativer Schaffensliste.

1927 kam der Duft "Arpège" auf den Markt - ein Klassiker, den es bis heute zu kaufen gibt - und der Chanel °5 auf dem Parfümweltmarkt schnell überrundete.


Das Logo Lanvins verdeutlicht übrigens die große Liebe zu ihrer Tochter Marguerite, die sie immer als ihre treibende Kraft und ihren Lebens-Anker ansah.


Jeanne Lanvin hatte bis zu ihrem Tod 1946 ein Couture-Haus erschaffen, das nicht nur Kleidung für die ganze Familie anbot, sie stattete sowohl Wohnungen aus und brachte die Leute dazu, wundervoll zu duften.

Ihre geliebte Tochter Marguerite führte das Unternehmen bis zu ihrem Tod 1958 weiter, es folgten weitere Familienmitglieder, 1989 übernahm sogar Giorgio Armani das Haus.

Mit der Berufung Alber Elbaz zum kreativen Kopf der Marke erlangt das Unternehmen seit 2001 wieder Weltruhm. Elbaz, der u.a. auch auf der legendären "Time 100"-Liste steht, und u.a. für Yves Saint Laurent tätig war, verschafft Lanvin mit Details, fließenden Stoffen und aufwendigen Leben eine echte Renaissance.

Lanvin gehört heute zur taiwanesischen Unternehmensgruppe Harmonie S.A., der Umsatz 2008 betrug über 140 Millionen Euro (habe leider keine aktuelleren Zahlen gefunden).

Die Kooperation mit H&M dürfte wieder kräftig an der Gewinnschraube drehen - fragt sich nur, ob H&M oder Lanvin mehr Profit daraus schlagen. Die jungen Käuferinnen werden sich sicherlich freuen, einen Hauch Couture-Luft schnuppern zu dürfen - aber ob sie am Ende mit dem ganzen Tüll und Volants auch wirklich glücklich sein werden, ist eine ganz andere Frage...

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